Interview mit dem Hegewaldsieger 2011, Alfred Düll

 

Meinen Glückwunsch zum Sieg bei der diesjährigen Hegewald in Hollabrunn!

 

Wie hast du die Prüfungstage erlebt?

 

Ich hatte einen Traum ...

Nach der Anreise und der Anmeldung am Mittwoch folgte ein vorsichtiges Umsehen, eine Begutachtung der an-kommenden Hunde und wie gewohnt, freudige und sachkundige Willkommensgespräche mit treuen Freunden aus der großen Hegewaldfamilie.

Der erste Tag startete mit der Form- und Haarwertprüfung, und ich war mit dem Resultat 10/11 zufrieden. Am Nachmittag war die Wasserarbeit angesetzt. Meine Hündin arbeitete absolut hegewaldtauglich sofort an der le­benden Ente, vergaß aber bei aller Euphorie vollends die tote Ente. Vom Prüfungsteam war zu vernehmen, dass am Ende des Weihers noch kein Hund die Enten aufstöbern konnte, Pauline aber brachte mehrmals Enten aus dem Schilf, eine davon verfolgte sie über den gesamten Weiher und die Ente wurde dann vor dem Hund erlegt. Nachdem auch das Verlorensuchen aus tiefem Schilfwasser zum guten Abschluss gebracht werden konnte, war der erste Tag mit Bravour absolviert. Die Arbeit am Gewässer muss das gesamte Team doch sehr beeindruckt haben und wurde mit der Höchstnote 12 belohnt. Ich war nach diesem ersten großen Test sehr erleichtert und konnte meinem im Hintergrund verbliebenen Freund und Besitzer von Pauline diesen tollen Erfolg mit Freude vermelden.

Am zweiten Tag zeigte die Hündin sofort vom Auto weg eine Hasenspur der feinsten Qualität. Die Spur führte über trockene Acker. Suchen und Finden mit perfektem Vorstehen bei doch sehr schwierigen Witterungsver­hältnissen (Temperatur lag bei ca. 36 °C und war für Hunde, Führer und Prüfer schwer erträglich) begeisterte die Prüfer, und nach der Bestätigung der Suche wurde erneut die Höchstpunktezahl registriert. Aber dann – das lange Warten war angesagt! Ich wollte mich von voreiligen Meldungen noch nicht zu Siegergefühlen verleiten lassen, aber als dann um ca. 20.30 Uhr (sehr früh, dank der hervorragenden Leistungen im Computerzentrum!) die Bestätigung kam. war mein Freudenschrei in der Halle doch wahrlich nicht zu überhören. Nach einem kur­zen Anruf in der Heimat bei meiner Frau, einer herzlichen Umarmung von meinem Freund Gerhard Müller war alle Anspannung gewichen und ich stürzte mich in den Freudentaumel.

Die Vorstellung meiner Hündin bei der Hegewaldschau erfüllte mich natürlich mit besonderem Stolz, denn eine Suchensiegerin bei dieser bedeutsamen Prüfung zu präsentieren, ist zweifelsohne ein Highlight im Leben jedes Hundeführers. Die beeindruckende Siegerehrung und die stehenden Ovationen am Abschlussabend werden mir sicher stets in sehr guter Erinnerung bleiben.

Auch die Zeit nach den Prüfungstagen prägten die telefonischen Glückwünsche von Jagd- und Hundefreunden aus allen Teilen Deutschlands und darüber hinaus. Bei der Rückkehr in der Heimat begeisterten mich und mei­nen Freund Gerhard die sehr herzliche und sorgfältig vorbereitete Willkommensfeier durch Jagdfreunde und Familien. Sogar die Jagdhorn-Bläsergruppe und der Jägervereinsvorsitzende unserer Kreisgruppe erschienen zum Empfang.

Mein Jugendtraum, das sehr hoch gesteckte Ziel Suchensieger, war bei meiner ersten Hegewaldteilnahme im Jahre 1976 entstanden und wurde hier Wirklichkeit!

 

Was bedeutet die Hegewald-Zuchtprüfung für dich?

 

In den Jahren stellte ich fest, dass diese Prüfung für mich einen ganz besonderen Stellenwert besitzt. Für Hun­deführer, Richter und Hundebesitzer kann diese Veranstaltung wie ein Virus wirken. Einen Zuchtjahrgang vor tausendfachem sachkundigem Publikum zu präsentieren, die Leistungen abzurufen, Form- und Haarwert zu bestimmen und dem neuen Zuchtjahr zur Verfügung zu stellen ist schon ein erhebendes Erlebnis. Nur beste, nach Vorentscheidungen qualifizierte Hunde können teilnehmen und mit dem 12-Punkte-System gelangen wir zu sehr fein abgestimmten Zensuren. Der Leistungsstandard konnte aufgrund dessen sicher gehoben werden. Aber wir dürfen bei dieser Auslese die ganz entscheidenden Faktoren „Ruhe und Führigkeit” nicht außer Acht lassen, denn nur ein führiger und ruhiger Hund wird dem „normalen Jäger” Freude machen.

Die diesjährige Hegewaldzuchtprüfung wurde unserem langjährigen Hauptzuchtwart und 1. Vorsitzenden Herrn Georg Greller gewidmet, wie Sigurd Croneiß am Eröffnungsabend herausstellte. Ich persönlich war Herrn Greller über Jahrzehnte in Freundschaft verbunden, bewunderte und achtete seinen „Hundeverstand” und sein vortreffliches Organisationstalent. In seiner Backstube wurde ich VDD-Mitglied, und dort meldete ich im Jahr 1967 meinen Zwinger „vom Grubsberg” an. Umso mehr freut es mich, dass ich gerade in diesem Jahr diese für ihn und mich so bedeutende Prüfung gewinnnen konnte und bin mir sicher, Herr Greller hätte die Freude mit mir geteilt.

 

Opa” Peter Greller sen. meinte zwar (0-Ton fränkisch): „Wennst bschissn werrn willst, musst zur Hegewald fohrn”! Ich war von meiner Hegewald­begeisterung aber derart überzeugt, dass ich mich nie abbringen ließ, und möchte deutlich sagen, dass ich diese Aussage nicht bestätigen kann und stets objektive Richter kennen lernen durfte, die zu fairen und fachlich gut begründeten Urteilen kamen.

Bei den Hegewaldzuchtprüfungen in Hollabrunn war ich stets dabei, als Richter oder Führer. Vorteilhaft bei diesen Prüfungen zeigen sich die sehr guten Wildbestände und Gewäs­ser. Daneben schätze ich das kame­radschaftliche Miteinander und die sachkundigen Gesprächsabende (einschließlich vorzüglicher Weine) im großen Haus der Sporthochschule als sehr wertvoll und für die Hundesache bereichernd ein.

 

Warum Pauline?

 

Ich hoffte, einmal im Leben einen sehr guten Hund an der Leine zu haben – einen Hund, der einen Hundebesit­zer in allen Belangen begeistert. Hinzu kommt, dass nicht jeder gute Jagdhund auch tatsächlich die Erwartungen eines Zuchthundes erfüllt. Von meinem Hundefreund und Züchter Gallo del Zeffiro erwarb ich im Jahr 2007 die Hündin „Meti III del Zeffiro”, und sehr bald stellte sich heraus, dass wir beide gut harmonieren. Bei der Hegewaldprüfung in Gefrath 2008 legte diese Hündin mit einer überzeugenden Leistung und mit dem daraus resultierenden 11. Platz mit 238,5 Hegewaldpunkten den Grundstein für den züchterischen Erfolg.

Aus dem 2. Wurf in der Paarung mit „Uno vom Schinkelberg” gewährte ich meinem Freund Gerhard Müller die erste Wahl aus den sieben Welpen. Der sehr feinnasige und wasserpassionierte Hund imponierte uns beide bei der Abrichtung, und nach sehr erfolgreicher VJP und Wasservorprüfung wagten wir die Meldung zur Hegewald. Erwähnen möchte ich noch, dass aus diesem Wurf noch zwei Hunde zur Hegewald gemeldet waren. Programm Nr. 171 „Paul vom Grubsberg” erzielte in allen Fächern ein mittleres sehr gut und sein Führer zeigte sich mit dem Ergebnis recht zufrieden. Der eigentliche Favorit war für mich aber der Rüde Programm Nr. 190 „Pascha vom Grubsberg” mit dem Führer Hans Peter Toll. Leider musste dieser Hund aus dem Prüfungsgeschehen ge­nommen werden, da der Führer wegen persönlicher gesundheitlicher Probleme zum Aufgeben gezwungen war. Hier wird deutlich, wie nahe doch Suchenglück und Suchenpech beieinander liegen.

 

Wo siehst du Schwerpunkte in der Ausbildung der Hunde?

 

Ich betrachte den Leistungsstandard bei den VDD-Hunden als enorm hoch. Wesentlich ist, Hunde in die Familie zu integrieren. Ein grundlegendes Ausbildungsziel ist der Gehorsam und muss in der ständigen Vorbereitung immer wieder gefördert werden. Gehorsam ist die halbe Ausbildung, so meine Ansicht. Nur ein gehorsamer Hund wird die Abrichtefächer mit sehr gutem Erfolg krönen können.

Entscheidenden Anteil an einem positiven Verhalten und Wesensentwicklung unserer Hunde hat der Mensch in der Zeit der ersten 16 Lebenswochen. Züchter und Welpenbesitzer tragen hier besondere Verantwortung.

Hundezucht und -abrichtung darf nicht isoliert von den Entwicklungen in der Land- und Fortwirtschaft betrach­tet werden. Hier geschahen in den Jahren beträchtliche strukturelle Veränderungen. Ich möchte den starken Maisanbau nennen, der die Hasenspur im Herbst fast unmöglich macht. Als sehr bedenklich werte ich den all-gemeinen Rückgang des Niederwildes. Wir werden bei der Ausbildung und bei den künftigen Prüfungen darauf reagieren müssen.

Danken darf ich dem österreichischem Verein für rauhaarige Vorstehhunde mit seinem Vorsitzenden Meister­führer Rudi Sonntag mit Team, den Mitarbeitern aus der Gruppe Nordbayern, den Richtern, Revierinhabern, Revierführern und allen Freunden aus nah und fern.

 

Vielen Dank für das Interview. Ich denke im Namen aller zu sprechen, wenn ich dir auch weiterhin so viel Erfolg und Spaß an unserer gemeinsamen Sache wünsche.

Jan Schafberg