Interview mit dem Hegewaldsieger 2010, Ralf Arens

 

Es sind erst Wochen und Monate der Vorbereitung und dann wenige Tage, und die Hegewald ist wieder Geschichte. Für viele, die nicht regelmäßig zur Hegewald führen, ist sie ein Erlebnis, das persönlich lan­ge nachwirkt — vor allem, wenn ein solcher Erfolg errungen wurde.
 
 

Wie haben Sie diese Hegewald-Zuchtprüfung erlebt?

 

 

Mit Eröffnung der HW am Begrüßungsabend und Erklingen der Hegewaldfanfare entstand eine große An­spannung, gepaart mit positiver Erwartungshaltung, gleichwohl wissend, dass Fehler zum Nichterreichen des gesteckten Zieles führen können.

 

Am ersten Tag war ich zur Wasserarbeit und anschließender Form- und Haarwertbeurteilung eingeteilt. Bedingt durch die hohe Teilnehmerzahl, kam ich erst gegen Mittag zum ersten Einsatz. Das Warten bis dahin erschien mir wie eine Ewigkeit und es war wie eine Erlösung, endlich starten zu dürfen.

 

Nach absolvierter Schussfestigkeit und bestandenem Verlorenbringen zeigte Kliff seine Wasserqualitäten beim Stöbern hinter der Ente. Bei der gegen Abend durchgeführten Form- und Haarwertbeurteilung wur­de die Zuchttauglichkeit des Rüden festgestellt und bestätigt.

 

Am 2. Prüfungstag stand die Feldarbeit an. Auch hier zeigte sich der Rüde von der besten Seite und konnte alle sich ihm bietenden Gelegenheiten bestens nutzen. Dies schlug sich entsprechend in der Bewertung der mir zugeteilten Richtergruppe nieder.

 

Nach der vorläufigen Mitteilung der erreichten Punkte wurde mir klar, dass eine Platzierung im vorderen Drittel möglich wäre. Nach einigen Glas Bier und der Information, dass die endgültige Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse, bedingt durch einen EDV-Ausfall, nicht mehr am gleichen Abend erfolgen würde, habe ich mich ohne Anspannung schlafen gelegt.

 

Auch nach dem Besuch der Hubertusmesse im Billerbecker Dom hatte ich noch keine Kenntnis vom Ausgang der Prüfung. Auf eigenes Nachfragen zum Prüfungsausgang beim Abholen der Laufnummer zur Zuchtschau wurde mir erklärt, dass ein Rödlberger Hund gewonnen habe. Wohl wissend dass zwei Hunde aus dem Zwinger von Karl Lang angetreten waren, habe ich mich auf der aushängenden Rangliste verge­wissert und ganz oben stehend wiedergefunden.

 

Die Überraschung und Freude war übergroß. Das anschließend erlebte kann man kaum in Worte fassen.

 

 

 

Was ist hei Ihnen am stärksten in Erinnerung?

 

 

 

Hier gibt es einige Dinge.

 

Zum einen die Organisation und Ausführung einer Hegewaldzuchtprüfung. Ich bin fasziniert von der Art und Weise, wie eine Prüfung mit einer Teilnehmerzahl von über 200 Suchengespannen erfolgreich durch-geführt wird.

 

Auch denke ich gerne an die Wasserarbeit und hier insbesondere an die Arbeit hinter der lebenden Ente. Meiner Meinung nach hat hier nur ein Quentchen zur Vergabe der Höchstnote gefehlt. Bei der Feldarbeit habe ich immer wieder die hervorragend gearbeiteten Hasenspuren vor Augen, die neben der Nasenleis­tung mit entscheidend für den Prüfungserfolg waren.

 

Nie vergessen werde ich die Art und Weise, wie ich vom Ausgang der Prüfung erfahren habe, sowie die vielen Glückwünsche und Gratulationen vor Ort und später auch in der Heimat.

 

Und natürlich die Gestaltung und das Erlebte am Abschlussabend. Die Krönung hier war natürlich für mich die Siegerehrung mit Überreichen der Hegewaldstatuete und des ausgesuchten Führersachpreises, einer Jagdreise nach Namibia.

 

Nicht weniger eindrucksvoll war der bestens vorbereitete Empfang von Freunden und Bekannten dann am Sonntag nach der HW bei meiner Rückkehr. Der Straßenname wurde kurzerhand in Rödlberg umbenannt und der Eingangsbereich unseres Wohnhauses war mit Birken geschmückt. Im Treppenaufgang lag ein roter Teppich und über der Tür hing ein Begrüssungsschild mit dem Prüfungsergebnis schwarz auf weiß. Die anschließende Feier war berauschend.

 

 

 

War die Hegewald von Beginn an ein Ziel oder ab wann stand die Teilnahme. fest? (Warum?)

 

 

 

Hierzu muss ich ehrlich sagen, dass die Teilnah­me an der diesjährigen Hegewald-Zuchtprüfung zu Anfang dieses Jahres noch kein gestecktes Ziel war. Zu stark waren die Erinnerungen an den im Herbst 2008 verunfallten DD Cuno II vom Rödlberg, mit dem ich bei meiner ersten Teilnahme auf der Hegewald-Zuchtprüfung in Grömitz im Jahr 2004 einen stolzen 11. Platz belegen konnte. Zu stark waren die Erinnerun­gen an das damals erreichte. Auch die anschlie­ßenden Jagderlebnisse mit Cuno haben derart starke Eindrücke bei mir hinterlassen, dass der Nachfolgehund Kliff 11 vom Rödlberg es sehr schwer hatte, aus dem Schatten des Vorgängers zu treten.

 

Letztendlich haben die gezeigten Leistungen und die entgegen gebrachte Führigkeit bei der Einarbeitung zur bevorstehenden HZP/VGP mich zur Jahresmitte davon überzeugt, begleitet vom guten Zureden einiger Freunde, allen voran Elmar Jürgens, 1. Vorsitzender unseres JGV Olpe, doch an der diesjährigen HW teilzuneh­men.

 

 

 

Wie war die Vorbereitung?

 

 

 

Es war eine ständige Vorbereitung, zunächst nicht gezielt auf die anstehenden Prüfungen, sondern auf die grundlegenden Ausbildungsziele eines brauchbaren Jagdhundes. Nach abgeschlossener Welpenfrüh­erziehung und erfolgreich bestandener VJP stand zunächst die Teilnahme an den vom JGV angebotenen Hundeftihrerlehrgängen an. Unterstützt durch begleitendes intensives Arbeiten mit gleichgesinnten Hun­deführern wurde schwerpunktmäßig auf gezielte Anforderungen hingearbeitet. Insbesondere ab Mitte des Jahres habe ich mich gezielt auf die Prüfungsfächer der VGP vorbereitet.

 

Die gründliche Einarbeitung am Wasser ermöglichte mir der VDD Nordbayern mit den angesetzten Übungstagen an den hervorragenden Vereinsweihern. Die herzliche Unterstützung, die mir als preußi­schem Vereinsmitglied gewährt wurde, haben mich die etlichen Autobahnkilometer vergessen lassen, die so im Verlauf angefallen sind.

 

Die anstehenden Feldübungen habe ich in einem wunderschönen Niederwildrevier im Münsterland absolvieren können, in dem ich als Mitglied einer Pächtergemeinschaft waidwerken darf. Die übrigen Abrichtefächer habe ich in dem von mir betreuten Sauerländer Niederwildrevier vor der Haustür eingeübt. So verging in den letzten 14 Monaten kaum ein Tag, an dem nicht die eine oder andere Stunde der Hun­deausbildung gewidmet war.

 

 

 

Wohl jeder träumt vom 1. Platz bei der Hegewald, aber ist das immer realistisch? Mit welchem Gefühl sind Sie zur Hegewald gefahren?

 

 

 

Nun ja. wenn man sich entschlossen hat, mit einem gut vorbereitetem Hund an einer Hegewaldzuchtprü­fung teilzunehmen, ist man von den Leistungsfähigkeiten und Qualitäten seines Hundes überzeugt.

 

Erst recht nach dem für mich hervorragendem Abschneiden auf meiner ersten HW in Grömitz sind mir einige Dinge bewusst geworden. Mit dem einen oder anderen Punkt mehr hätte man ganz oben stehen können und man trauert der einen oder anderen Gelegenheit hinterher. Im Gegensatz dazu sind andere Dinge zum Besten gelaufen. von denen man das vorher nicht unbedingt erwartet hatte.

 

 

 
 

Es gehört eine Menge Suchenglück dazu, eine obere Platzierung zu erreichen, gerade bei der sehr hohen Leistungsdichtender auf einer HW antretenden Gespanne. Als Ziel hatte ich mir, wie schon 2004, eine Platzie­rung in der vorderen Hälfte der Teilnehmer gesteckt. Alles was dann im Prüfungsver­lauf besser verläuft, nimmt man gerne mit. Jedoch gesellt sich zu diesen Gedanken auch die Angst, in einem Prüfungsfach den Anforderungen nicht zu genügen, und so-mit diese Prüfung nicht bestehen zu kön­nen. Suchenglück und Suchenpech liegen bekannterweise sehr nah beieinander. All diese Gedanken waren bei mir vor und wäh­rend der Prüfung gegenwärtig.

 

 

 

In eigener Sache:

 

Nach der HW kam dann zur bevorstehen-den VGP ein beklemmendes Gefühl auf. In mir baute sich ein Druck auf, auch die nun anstehende Prüfung zufrieden stellend zu bestehen. „Bloß nicht blamieren,” wa­ren meine Gedanken, denn Neider gibt es immer und überall. Aber auch diese Hürde haben wir mit 336 Punkten im 1. Preis und AH erfolgreich genommen.

 

Nur zu gerne hätte ich mir gewünscht, dass mein im Sommer diesen Jahres im Alter von 90 Jahren verstorbener Vater all diese hätte miterleben dürfen. Er war es, der mich 1994 zum ersten Welpenkauf eines DD überredete, und anschließend viel Interesse und Freude an der Hundearbeit zeigte.

 

 

 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei all denen bedanken, die mit ihrer Unterstützung Anteil an diesem Erfolg haben. Hier ist zunächst Karl Lang als Züchter zu nennen, der mir freie Rüdenauswahl aus beiden Würfen in 2009 eingeräumt hat. Ein herzliches Dankeschön ebenso an alle, die mich während der Abrichtung unterstützt haben und hier ins besondere meine Familie, die sicherlich am meisten Entbeh­rungen während der über einjährigen Ausbildung erdulden musste.

Danke