Bericht zur


78. Internationale Hegewald-Zuchtprüfung 2011

in Hollabrunn / Österreich

 

 

 

 

Bereits zum dritten Mal nach 1981 und 1994 traf sich die Drahthaar-Familie im niederösterreichischen Hollabrunn zu ihrer jährlich stattfindenden internationalen Hegewald- Zuchtprüfung.

Zu Ehren des im Juni verstorbenen Georg Greller senior, der langjährig als Hauptzuchtwart des VDD und Vorsitzender der Gruppe Nordbayern tätig war und bei beiden vorangegangenen Hegewald-Zuchtprüfungen in Hollabrunn mit als Prüfungsleiter fungierte, wurde die diesjährige Prüfung ihm gewidmet.
Es war eine fantastische Hegewald. Die Suchengespanne und Richterteams fanden hervorragende Prüfungsreviere mit sehr gutem Wildvorkommen vor. Die Gewässer wurden den Anforderungen einer so gehobenen Prüfung mehr als gerecht, so dass die Hunde im Wasser wie auch im Feld ihr ganzes Leistungsvermögen zeigen konnten, wenn das Suchenglück beim Hasen bzw. der Ente mitspielte.

Der Dank aller Hundeführer und Richter gilt an dieser Stelle dem Prüfungsleiter Meisterführer (Mf) Rudolf Sonntag, seinem Organisationsteam um den Zuchtwart Mf Hannes Kallenberger, ihren vielen Helfern und natürlich den Revierinhabern, ohne die eine solche Prüfung nicht möglich wäre. So sind es neben der Bereitschaft, ihre Reviere zu Verfügung zu stellen, auch intensive Biotoppflege und Biotoperhaltung sowie die waidgerechte und nachhaltige Bejagung, die die Nutzung der Reviere bei einer solchen Prüfung möglich machen. Wie groß auch in diesem Jahr das nationale wie internationale Interesse an der Hegewald war, wird durch die Nennzahlen deutlich.

Zur diesjährigen Hegewald wurden 191 Hunde gemeldet, wovon 182 erschienen sind. Aus den Mitgliedsländern des Deutsch-Drahthaar Weltverbandes meldeten sich 24 Suchengespanne an. Sie kamen aus Bulgarien, Italien, Österreich, Russland, Slowenien, der Türkei, Ungarn und der Schweiz. www.drahthaar.de Die Faszination und Begeisterung, die von der Hegewald ausgeht, ist ungebrochen. Gerade in Zeiten, in denen alles auf dem Prüfstand zu stehen scheint, was mit der Jagd und Hundearbeit zu tun hat, ist das Festhalten an wichtigen Errungenschaften und Veranstaltungen von großer Bedeutung.

 

 

 

Die Hegewald gibt alljährlich einen Einblick in die Leistungsfähigkeit des Deutsch-Drahthaar und einen Überblick über die züchterischen Erfolge des letzten Jahres. So wie in der Zuchtordnung des VDD verankert, sind die Prüfungen am lebenden Wild mit der Hasenspur und der lebenden Ente nach Prof.-Müller-Methode elementare Bestandteile der Hegewald. Sie gewährleisten auch weiterhin die erfolgreiche Zucht jagdlich brauchbarer Hunde für eine weidgerechte Jagdausübung. Neben Anlagen wie Suche, Vorstehen und Führigkeit sind Folgedrang, Passion und Wildschärfe für einen Hund der Folge und sehr guten Verlorenbringer von großer Bedeutung.

Bei genauer Betrachtung der Ergebnisse gibt es nur sehr wenige DD, wo da Wünsche offen bleiben. Worauf wir auch weiterhin sehr großen Wert legen sollten und durchaus noch Verbesserungspotential haben, ist das korrekte Bringen. Gerade am Wasser habe ich nur wenige Hunde gesehen, die durchgearbeitet und zielstrebig die Ente zum Führer gebracht und ausgegeben haben. So viel man auch im heimischen Revier übt, keiner weiß genau, was ihn und seinen Hund bei der Hegewald erwartet. Und schließlich liegt darin auch der Reiz, sich, wie bei der Jagd auch, in Situationen und Gegebenheiten einzuarbeiten und zurecht zu finden.

 


 

Neben den sehr warmen bis heißen Tagen in Österreich waren es die Kürbisfelder, die den Hunden Schwierigkeiten bereiteten, wie von den Feldgruppen zu hören war. Letztlich waren die Bedingungen für alle gleich und sehr gut für eine Hegewald. Neben den Leistungsprüfungen im Feld und Wasser gehört auch die Zuchtschau zur Hegewald und gehen die Bewertungen für Form und Haar in die Rangliste der Hegewald ein.

Die Bewertungen in Form und Haar wie auch die im Leistungsbereich werden immer in einem Richterkollektiv getroffen. Dass diese nicht immer auf das Verständnis der Hundeführer treffen, liegt wohl in der Natur der Sache. Aber bei allen Meinungsverschiedenheiten und Emotionen sollte die gute Erziehung dabei nicht auf der Strecke bleiben. Wir züchten den Deutsch-Drahthaar nicht nach Schönheit, sondern nach Leistung. Auch in Form und Haar ist das so. Der Standard des Deutsch-Drahthaar orientiert sich am Leistungsgebrauch des Hundes für die Jagdausübung und Abweichungen davon werden je nach ihrem Schweregrad in der Bewertung ausgedrückt und beschreiben den züchterischen Wert des Hundes.

Neben den Formwertrichtern sollten vor allem auch Züchter die vom VDD angebotenen Weiterbildungsveranstaltungen nutzen, um Fehler und Schwächen besser zu erkennen und züchterisch daran zu arbeiten.

 

 

Die Erleichterung und Freude über die be- und überstandene Prüfung war dem diesjährigen Hegewaldsieger deutlich ins Gesicht geschrieben, Es sei ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, begann Alfred Düll seine Dankesworte zum Festabend. Und kann es etwas schöneres geben, als mit Pauline vom Grubsberg, einer aus dem eigenen Zwinger stammenden Hündin, die Hegewald 2011 mit einer so hervorragenden Leistung zu gewinnen?

 

 

Auf den Plätzen zwei und drei folgten Wilfried Steffens mit Benja II v.d. Dachswiese und Karsten Döscher mit Kelly vom Fuchser.

 

 

Turnusgemäß stand in diesem Jahr die Tagung des Deutsch-Drahthaar Weltverbandes auf dem Programm. Daran nahmen 11 Vertreter aus dem Weltverband teil. Der Präsident des Weltverbandes, Dirk Freiherr von Eller-Eberstein, stellte mit Hans-Werner Monreal den neuen Geschäftsführer und mit Henning Bergmann den Zuchtbeauftragten des DD WV vor. Sigurd Croneiß als Hauptzuchtwart des VDD berichtete über das Zuchtgeschehen im VDD und Veränderungen bzw. Neuerungen in der Zuchtordnung und über die Ergebnisse der HD-Untersuchungen. Er verwies auf die wissenschaftliche Arbeit von Prof. Distl von der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Bezug auf HD.

 

 

Die Forschung sei abgeschlossen und die Ergebnisse würden bei einer der nächsten Veranstaltungen vorgestellt. Im weiteren Verlauf gaben die Vertreter der Mitgliedsländer Berichte aus ihren Ländern ab. Sie gingen vor allem auf Mitgliederzahlen und Zuchtaufkommen ein. Wie in Deutschland nehmen Ausbildungs- und Hundeführungskurse einen großen Teil des Vereinslebens ein. Deutlich wurde auch ein sehr großes Interesse des Auslandes an der deutschen Prüfungsordnung. Die Einheit aus Prüfungs- und Zuchtordnung zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der Rasse ist bei vielen ein zentrales Thema. So wurde in den letzten Monaten die VZPO in die russische Sprache übersetzt und soll somit weiter Einzug in das Prüfungsgeschehen haben.

In Zusammenarbeit mit dem JGHV und anderen Zuchtvereinen besteht die Aufgabe der Zukunft darin, die ausländischen Vereine in der Ausbildung ihrer Verbandsrichter zu unterstützen. Deutlich wurden in den Berichten vor allem aus Italien, der Schweiz und Österreich Probleme mit neuen Gesetzen und Verordnungen, die die Ausbildung und Prüfung der Hunde am lebenden Wild betreffen ebenso wie die Schwierigkeiten mit dem Tätowieren und Kupieren. Das sind Entwicklungen, denen auch wir hier in Deutschland immer wieder energisch entgegentreten müssen, da sie am Thema der Ausbildung, Prüfung und Jagd mit unseren Hunden vorbei gehen.

„Nach der Hegewald ist vor der Hegewald“, so der diesjährige Hegewaldsieger Alfred Düll. Ich möchte mich diesen Worten anschließen und hoffe, wir sehen uns vom 26. bis 30.09.2012 zur 79. Internationalen Hegewald-Zuchtrüfung in Geseke / Westfalen wieder.

 

Jan Schafberg