Epigenetik - Wie Hunde werden wie sie sind

Jeder Hund hat eine Persönlichkeit, ein eigenes Wesen. Anders als oft angenommen ist dieses aber nicht das vordringliche Resultat vererbter Gene. Es gibt keine einzelnen „Persönlichkeits-Gene“. Komplexe Merkmale wie Krankheitsanfälligkeit oder Langlebigkeit werden von einer Vielzahl von Genen und Gengruppierungen weitergegeben. Derartige Merkmale folgen nicht den klassischen Mendelschen Regeln,nach denen die Ausprägung eines Merkmals von nur einem Gen bestimmt wird. Denn die meisten Lebewesen vererben sehr viel mehr als ihre Gene. Sie vererben auch Informationen über ihre Umwelt, ihre Erfahrungen und ihren Lebensstil. Dieses neue Denken wird in absehbarer Zeit die Hundezucht beeinflussen.


Das Wesen eines Hundes – aber auch eine Menge anderer Eigenschaften – sind immer das gemeinsame Produkt aus geerbten Genen, tagesaktuellen Erfahrungen und der Erziehung sowie den weiteren Einflüssen in der prägenden, so genannten perinatalen Phase noch im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt. Anders als man früher dachte wirken Erbe, Umwelt und Vergangenheit immer gemeinsam auf komplexe Merkmale von Lebewesen ein. Man kann das Erbe und die Umwelt nicht rein mathematisch voneinander trennen.


Doch diese moderne Erkenntnis ist in der Hundezucht noch kaum verbreitet. Viele Züchter konzentrieren sich auf genetische Einflüsse und versuchen, sämtliche Merkmale eines Hundes überwiegend genetisch zu erklären. Für eine Vielzahl vergleichsweise einfach vererbter Merkmale (monogen) wie Fellfarbe oder Willebrand-Erkrankung, funktioniert das. Bei komplexen Merkmalen muss man in Zukunft aber auch die Erkenntnisse eines neuen, revolutionären Zweigs der Genetik berücksichtigen: der Epigenetik.
Die neue Wissenschaft der Epigenetik ist per Definition eine Art Zusatz- oder Nebengenetik. Sie erforscht einen immer wichtiger werdenden Bereich der Prägung von Lebewesen, der die alte Sicht grundsätzlich verändern wird: Umwelteinflüsse – Traumata, Geborgenheit, Stress, Auslauf, Ernährung und vieles mehr – verändern die Art, wie Gene abgelesen werden. Die Zellen in Körper und Gehirn speichern Umweltanpassungen ein Leben lang in Form einer veränderten Regulation der Gene – und geben sie mitunter an die Nachkommen weiter.


Für Hundehalter und –züchter hat das große Bedeutung: Fehler bei der Aufzucht können sich noch Generationen später bemerkbar machen. Umgekehrt kann eine umsichtige Behandlung von Jungtieren und deren Eltern aus ihnen und ihren Nachfahren besonders ausgeglichene und resiliente Individuen machen.


In einem kynologischen Tagesseminar mit dem Thema “Die Bedeutung der Epigenetik für die Hundezucht“  - “Wie Hunde werden wie sie sind“, am Samstag,  06.02.2021, Hotel “Zur Schmiede“, Ziegenhainer Str. 26, 36304 Alsfeld, wollen wir gemeinsam der Frage nachgehen “Müssen wir das klassische Konzept der Hundezucht überdenken?“
Referent ist der bekannte Neurobiologe, Wissenschaftsjournalist und Sachbuchautor Dr. Peter Spork.
Eingeladen sind Jagdgebrauchshundeleute, insbesondere Züchter und Zuchtwarte sowie Halter und Führer von Jagdhunden sowie interessierte Gäste.

Die Veranstaltung wird ideell vom Verein Deutsch Drahthaar unterstützt.
Der Besuch der Veranstaltung wird seitens der Vorstandschaft des VDD sehr empfohlen!

 

Programm

 

Begrüßung

   
09: 00 – 10:30 h   Der erste und der zweite Code (Dr. P. Spork)
Einführung in Genetik und Epigenetik
10:45 h – 12:15 h   Wie Hunde werden, wie sie sind (Dr. P. Spork)
Epigenetische Prägung von Wesen und Krankheitsanfälligkeit
12:30 h – 13:00 h   Diskussion / Fragerunde / Erfahrungsaustausch
13:00 h – 14:00 h   Mittagspause / Essen
14:00 h – 15:00 h   Werden Stress und Krankheit vererbt? (Dr. P. Spork)
Über transgenerationelle Epigenetik
15:00 h – 16:00 h   Erfahrungen mit Haltungs- und Aufzuchtbedingungen und deren Auswirkungen auf das Wesen (W. Peterhänsel)
16:15 h – 17.30 h   Ist das Wesen eines Hundes gar kein Zufall? (Dr. P. Spork)
Ausführliche Diskussion und Abschluss: Sollte sich die Hundezucht verändern?

Die Teilnehmer/ innen erwartet ein hochinteressantes, spannendes und aufregendes Seminar, das unsere Zucht beeinflussen wird.

 

Kosten
Seminargebühr  110 €  (incl. Mittagessen [Buffet] im Seminarhotel)
Bei Gruppenanmeldungen ab 4 Personen reduziert sich die Teilnahmegebühr auf 95 € .         

Anmeldung zum o.a. Seminar an:
Wolfgang Peterhänsel, Karlbacher Weg 16, 67271 Obersülzen
Email: dd-palatina@t-online.de
Tel. 06359 – 86 925 oder 0171-3645506
Begrenzte Teilnehmerzahl!

Erst die Einzahlung der Teilnahmegebühr bis spätestens 15.10.2020 auf das IBAN-Konto DE41 546 512 400 004 876 447 gilt als definitive Anmeldung. Bitte bei der Einzahlung Email-Adresse und/oder Tel.Nr. angeben!