Interview Pirsch 21/ 2011

 

 

 

Drahthaar weltweit mit deutscher Seele

 

Pirsch: Herr Monreal, warum braucht eine Deutsche Jagdgebrauchshunderasse eine Weltverband? Geht es da nur um einen größeren Absatzmarkt für heimische Züchter?

 

Hans-Werner Monreal: Nein, das ist unser geringstes Problem. Wir setzen uns im DDWV vor allem dafür ein, dass Rassestandard und Zuchtziele auch außerhalb der Grenzen Deutschlands eingehalten werden. Der Deutsch Drahthaar ist ein Vollgebrauchshund für den der Grundsatz gilt „Über Leistung zum Typ“. Eine große Zuchtbasis über Ländergrenzen hinweg ist da nur von Vorteil.

 

Pirsch: Wie wollen sie das praktisch angehen, wenn in jedem Land andere jagdliche Gepflogenheiten üblich sind und andere Jagdsysteme gelten?

 

Hans-Werner Monreal: Aber der Rassestandard und das Zuchtziel sind unabhängig von der Jagdpraxis im jeweiligen Land. Diese Grundlagen müssen wir erst einmal allen Mitgliedsverbänden und Interessierten näherbringen. Das war auch die erste Aufgabe als der Weltverband 1992 gegründet wurde. Wir verstehen uns in erster Linie als Informations- und Steuerungs-Platform. So müssen alle Zuchtregeln, die in Deutschland gültig sind, auch in allen Mitgliedsverbänden verstanden und erfüllt werden. Nirgendwo dürfen zum Beispiel Hunde, die nicht nachgewiesen HD-frei oder OCD-frei sind, zur Zucht zugelassen werden.

 

Pirsch: Wie groß sind die Hürden für einen Verein, der sich für die Zucht der Deutsch-Drahthaar einsetzt, Mitglied im Weltverband zu werden?

 

Hans-Werner Monreal: Eigentlich sollte es möglich sein, dass ein Landesverband innerhalb eines Jahres Mitglied im Weltverband wird. Eine der Grundvoraussetzung ist es schon einmal zwei Leistungsrichter zu haben, die in Deutschland vom Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) ausgebildet wurden. Diese Männer und Frauen wirken dann in ihrer Heimat als Multiplikatoren für die Grundsätze bei Zucht und Arbeit mit dem DD. Heute haben wir etwa 20 000 Mitglieder im Weltverband. Einige Länder, wie Neuseeland bemühen sich gerade einen eigenen, anerkannten Deutsch-Drahthaar Zuchtverband auf die Beine zu stellen. Wir unterstützen alle diese Bemühungen von Kräften, zum Beispiel, in denen wir erfahrene DD-Richter und Zuchtwarte als „Paten“ den interessierten Gruppen vermitteln. Und wenn es gar zu weit ist, wie bei den Kollegen in Neuseeland, erproben wir auch neue Formen wie das e-learning.

 

Pirsch: Ist der Weltverband für die Richterausbildung der Partnervereine zuständig oder kommt er dabei anderen Hundeverbänden auf nationaler oder internationaler Ebene in die Quere?

 

Hans-Werner Monreal: Die Zuständigkeiten der einzelnen Verbände sind eigentlich klar geregelt und wir sind Teil des ganzen Systems. Alle Hundeverbände in Deutschland, ob Rassehundezuchtvereine vom Malteser bis zum Sennhund sind im Verband für das Deutsche Hundewesen, dem VDH organisiert, ebenso auch Hundesportverbände. Der VDH kümmert sich um Rassestandards und vertritt die deutschen Vereine beim internationalen F.C.I., der Fédération Cynologique Internationale. Um Leistungsprüfungen kümmert sich der VDH nicht. Diese Aufgabe hat er zum Beispiel an den Jagdgebrauchshundeverband, den JGHV, übertragen. Unsere so genannten A-Richter, beziehungsweise Spezial-Zuchtrichter dürfen in Abstimmung mit dem VDH nacheiner weiteren Qualifikation auch im Ausland auf FCIZuchtschauen richten. Der Weg läuft formal immer über die Dachverbände in die jeweiligen Mitgliedsländer. Denn die Bestimmungen für Formwertrichter hat der VDH bereits im FCI internationalisiert.

 

Pirsch: Und funktioniert das auch bei Leistungsprüfungen für Jagdhunde?

 

Hans-Werner Monreal: Das ist die Aufgabe, für die der JGHV zuständig ist. In der nächsten Präsidiumssitzung steht die Notwendigkeit sich zu internationalisieren, ganz oben auf der Tagesordnung und der Vizepräsident des JGHV, Wolf Schmidt-Körby ist der Ansprechpartner dafür. Wir unterstützen den JGHV tatkräftig dabei.

 

Pirsch: Gibt es nur bei den Deutsch-Drahthaar einen Weltverband oder haben auch andere Jagdhunderassen ähnliche Ambitionen?

 

Hans-Werner Monreal: Auf jeden Fall! In Deutschland gibt es eine reiche Tradition bei der Zucht von Jagdhunden, ebenso wie in England. Unsere Rassen und wie wir deren Standard fördern, überzeugen viele Jäger weltweit. Auch die Verbände für Deutsch-Kurzhaar, für Jagdterrier, Dackel oder Schweißhunde haben bereits Weltverbände gegründet. Wir sind der Meinung, wer einen Diesel kauft, der muss auch Diesel tanken können. Das heißt, wer sich einen Deutsch-Drahthaar holt, der muss den Hund auch auf die entsprechenden, international anerkannten Prüfungen führen können – und damit letztendlich auch die Möglichkeit zur anerkannten Zucht mit dem Hund haben. Dann bleibt der DD überall, wo er geführt wird der exzellente, familienfreundliche Vollgebrauchshund, wie wir ihn kennen: robust, vielseitig einsetzbar und gesund.

 

 

Die Fragen stellte Dr. Christine Miller

Pirsch 21/2011

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Hans-WernerMonreal, ist mit Leib und Seele Drahthaarführer und seit diesem Sommer Geschäftsführer des Deutsch-Drahthaar Weltverbandes (DDWV).