Archiv
 
 
 
 
 

12 Tage Amerika, Btr., VGP 2011

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 4.1.2012
Archiv Texte >>
12 Tage Amerika
 
 

Im Jahre 2006 übernahm ich einen Junghund, der mir aus Amerika mitgebracht wurde. Bei diesem Hund handelte es sich um einen Rüden aus dem Zwinger des damaligen ersten Vorsitzenden der VDD-Gruppe Nordamerika ( VDD-GNA ), Roger Green. Seit diesem Tag hat sich zwischen uns eine sehr schöne Freundschaft entwickelt, die gehegt und gepflegt wird.

In diesem Frühjahr machte sich Roger Green Gedanken darüber, ob er nicht eine VGP in seinem Wohnort Evansville in Wyoming abhalten sollte und nach reiflicher Überlegung stand fest:  Ja, es gibt eine VGP 2011 in Wyoming. Dazu brauchte er Verbandsrichter und fragte mich, ob ich „ dabei sein „ würde, was natürlich sofort mit einem deutlichen „ Ja „ beantwortet wurde.

Die nächste Frage nach einem weiteren Richter aus Deutschland konnte ich Roger Green ebenfalls sofort beantworten: Elvira Schwarz aus Looft, Schleswig-Holstein. Eine seit Jahren erfahrene Verbandsrichterin mit weit reichender Erfahrung als Suchenleiterin, Hundeführerin und nicht zuletzt Züchterin im VDD. Da diese ersten „ Vorbereitungen „ so schnell abgeschlossen werden konnten, trat Roger Green mit einer weiteren Frage an mich heran:

Könnte man im Zusammenhang mit der VGP nicht auch noch eine BTR  anbieten?? Ja, na klar!

Bei Roger´s nächstem Deutschlandaufenthalt wurden bereits diverse Details beider Prüfungen besprochen und geklärt. Zeitgleich erhielten Elvira und ich eine Einladung als Verbandsrichter auf der Armbruster 2011 in Shreveport, Louisiana. Und so kam es, wie es kommen musste: Die bei Roger Green geplante BTR und die VGP lagen genau am Wochenende vor der Armbruster und unser Trip in die USA wurde auch noch um die diesjährige Armbruster Zuchtprüfung erweitert. Familie informieren, Urlaub einreichen, Tickets buchen,

Abflug Mittwoch, 12.10.2011, 06.15 Uhr, Flughafen Hamburg, über Paris und Salt Lake City nach Casper in Wyoming. Dort waren Elvira Schwarz und ich schließlich nach über 30 Stunden angekommen und wurden von Roger und seiner Ehefrau Marge freundlich am Flughafen in Empfang genommen.  Im gastfreundlichen Hause Green wurden wir ganz herzlich aufgenommen und fühlten uns die folgenden Tage dort wie zu Hause.

 

Donnerstag, 13.10.2011:

Der Morgen begann mit einem typischen amerikanischen Frühstück Danach fuhren wir raus und schauten uns die Wald-, Feld und Wasserflächen an, die wir für die Prüfungen zur Verfügung hatten. Uns beiden wurde spontan ein Jeep von  Roger´s Nachbar Bob Ballew zur Verfügung gestellt, den wir während unseres Aufenthaltes voll und ganz nutzen konnten

Wyoming besteht größtenteils aus Prärie. Bäume und üppigere Vegetation findet man ausschließlich an den Flußniederungen. Das Flußtal des North Platte Rivers im Bereich von Casper / Evansville bot uns sehr gute Möglichkeiten für die Prüfungen. Das Prüfungsgewässer für die VGP war beispielsweise in Sichtweite, etwa 800 m vom Hause der Greens entfernt. Die Feld- und Waldreviere lagen etwa 15 km entfernt. Der erste Tag klang bei einem schönen Glas Wein im Hause der Familie Green sehr gemütlich aus.

 

Freitag, 14.12.2011 BTR:

Nach dem Frühstück rückten nach und nach die Hundeführer auf dem Grundstück der Familie Green an. Insgesamt hatten sich 7 Hundeführer mit ihren Hunden, davon sechs Deutsch-Drahthaar und ein Deutsch Langhaar angemeldet. Vom Deutsch Langhaar wird nachher noch mehr zu berichten sein. Die Teilnehmer kamen aus den US-Staaten Utah, Wyoming und Colorado.

Teilweise haben diese Hundeführer über 7 Stunden Fahrt auf sich genommen, um an der BTR und VGP teilzunehmen. Im Übrigen war es die erste BTR, die in diesem Bereich der Vereinigten Staaten überhaupt angeboten und abgehalten wurde.  Es herrschten die ganze Zeit Temperaturen von 15 - 22 ° C mit mäßigem bis teilweise frischem Wind aus stündlich wechselnden Windrichtungen.

Die Hundeführer waren wahrscheinlich genauso aufgeregt wie Elvira und ich.

Aber auch unserem dritten Richter, Nathan ( Nate ) Baley aus Utah, erging es nicht anders, sollte er doch mit zwei Richtern aus Deutschland drei Tage auskommen. Und das auch noch als Notrichter, da der ursprünglich vorgesehene Richter krankheitsbedingt ausgefallen war. Da es sich hierbei aber um Nate´s  letzte Anwartschaft handelte, stand der Notrichtereigenschaft nichts im Wege.

Dazu hatten wir noch einen Richteranwärter mehr, James Newby, aus Wyoming. Es war die erste Anwartschaft von James und dann auch noch gleich bei einer VGP.

Was erwartet uns, wie kommt man miteinander zurecht, klappt die Verständigung - diese Fragen stellten sich sicherlich auf Seiten der Hundeführer, aber auch bei den Richtern. Vormittags wurden zunächst einmal die Füchse und Waschbären für die BTR ausgelegt. Ja, Waschbären dürfen in Amerika genauso für eine BTR verwendet werden, wie Füchse. Nach der erforderlichen Wartezeit von mindestens 2 Stunden begab sich die gesamte Korona in das Prüfungsgelände, wo die einzelnen Startnummern von Elvira verlost wurden.

Nachdem das Signal „ Aufbruch zur Jagd „ alleine von Elvira auf einem geliehenen Jagdhorn vorgetragen wurde, begann die eigentliche Arbeit der BTR.

Von den 7 gestarteten Hunden konnten  5 die BTR bestehen.

Die zwei durchgefallenen Hunde kamen leider nicht ans Stück.

Nach diesem ersten Prüfungstag im Bereich des Westens der USA war es uns gelungen, den Hundeführern schon mal einen Teil ihrer Unsicherheit zu nehmen. Mit fortschreitender Zeit kamen auch schon mal lockere und vor allem sehr nette Gespräche zustande. Am Abend legten wir dann noch die einzige für die VGP gemeldete Übernachtfährte. Danach fand in der Wohnküche im Hause Green die Richterbesprechung für die VGP statt, an der die Hundeführer teilnahmen. Jeder Punkt der VGP wurde ausführlich besprochen. Alle anstehenden Fragen wurden geklärt und beantwortet, so dass der Abend vor der VGP bei tollen Gesprächen mit leckeren Häppchen und wohlschmeckenden Getränken zu Ende ging.

 

Samstag, 15.10.2011 VGP 1. Tag:

 

Früh um sechs Uhr trafen sich alle Prüfungsteilnehmer zum gemeinsamen Frühstück im Restaurant der Großtankstelle „ Dory Lou´s „. Es gab eine tolle Speisekarte mit reichlich Eiergerichten, aus der sich jeder, ganz nach seinen Wünschen, ein reichhaltiges Frühstück bestellen konnte.Nach dem Frühstück fuhren die Verbandsrichter ins Waldrevier und legten dort die drei Tagfährten.

Danach begann die „ VGP Evansville 2011 „.

Die Übernachtfährte mit Bringselverweiser sollte ein DD-Rüde, geführt von John Barnes, Colorado, arbeiten. Also, ran an den Anschuss und den Hundeführer einweisen. Sofort nahm der Rüde die Fährte auf und folgte ihr in absoluter Präzision. Roger hatte alle Fährten mit einem GPS-gestützten, etwa Handy-großem Gerät aufgezeichnet. Dieser Rüde kam einmal ca. 70 cm von der Fährte ab. Den Rest lief er „ wie auf Schienen „. Am zweiten Wundbett angekommen, wurde für ihn die frische Fährte getupft. Auch diese Arbeit wurde vom Hund in exzellenter Weise erledigt, so dass Hundeführer John, bei der abgelegten Antilope angekommen, schon mal etwas ruhiger wurde.

Nach und nach wurden diversen Arbeiten der VGP an diesem Vormittag abgearbeitet, bis schließlich die drei Tagfährten gearbeitet werden sollten. Auch bei diesen Fährten konnten die Hunde uns ihren sehr guten Ausbildungsstand beweisen. Alle Hunde fanden zum Stück, lediglich eine Hündin erhielt einen Rückruf. Am Stück angekommen, ertönte das Signal „Bock tot“ , was in dieser Art und Ausführung nach Auskunft der Hundeführer noch nie dagewesen war ! Im weiteren Verlauf des Tages konnte noch ein Großteil der Prüfungsfächer absolviert werden.

Bei der Wasserarbeit geschah dann etwas sehr Außergewöhnliches: Eine Hündin wurde zum Verlorensuchen geschnallt. Diese Arbeit macht die Hündin auch sehr gut, steht aber plötzlich am Ufer vor. Kurz darauf  ertönt ein wildes Kampfgeschrei. Was hatte die Hündin dort gefunden?

Von einer Katze hatten wir nichts gesehen. Unsere amerikanischen Freunde wussten aber gleich Bescheid:

Zwei Waschbären hatte sich dort versteckt und machten nun Bekanntschaft mit einem Deutsch-Drahthaar. Einer der beiden konnten fliehen, den anderen wehrhaften Gegner tat die Hündin ab.Anschließend schwamm sie mit ihrer Beute circa 30 m über das offene Wasser zur Führerin und gab dort sauber aus. Danach konnte die eigentliche Arbeit fortgesetzt werden, was auch in schöner Manier geschah, obwohl die Hündin doch von dem zuvor Erlebten beeindruckt schien.

Auch die anderen Hunde dieser VGP konnten Elvira, Nate und mir tolle Leistungen bei der Wasserarbeit zeigen. Bis in die Abenddämmerung absolvierten wir noch „ die kleinen Waldfächer“ und schon war der erste Tag dieser VGP vorbei.

Zum Dinner war ein Tisch in einem Steakhaus in Casper für die gesamte Prüfungsgesellschaft reserviert. Von der reichhaltigen Speisekarte konnte sich jeder nach Herzenslust und Geschmack leckere Gerichte aussuchen.

Gegen 23.00 Uhr war es Zeit zum Schlafen gehen.

 

 

Sonntag, 16.10.2011 VGP 2. Tag:

Nach einem weiteren Frühstück um 06.30 Uhr in der oben genannten Großtankstelle begann Tag zwei dieser VGP. Es standen noch diverse Arbeiten an, die es heute zu erledigen galt. Was für unsere Verhältnisse normal ist, muss es nicht in Amerika sein. Als Elvira, Nate und ich den Hundeführern das nächste anstehende Fach „ Benehmen vor eräugtem Haarwild „ erklärten, sahen uns  8 fragende Augen an. Das hatten sie noch nie erlebt, dass dieses Fach „ prüfbar „ gemacht wurde. Nach kurzer aber anschaulicher Erklärung konnte aber dennoch mit diesem Fach begonnen werden. Dazu wurden mehrere „ Chaparalls „ aufgesucht, Flächen mit zum Teil mannshohen, äußerst dicht gewachsenen, dornigen Büschen, in denen sich vornehmlich die in dieser doch kargen Gegend sehr häufig vorkommenden Antilopen und Weißwedelhirsche aufhalten.

Kurzum: alle Hunde absolvierten diese Arbeit vortrefflich !

Als dann letztlich alle VGP-Fächer geprüft waren, erfolgte die Rückfahrt nach Evansville zum Hause der Familie Green.

Die Preisverleihung am Abend und das anschließende gemütliche Beisammensein fand wieder im Hause von Roger und Marge statt. Marge hatte es sich nicht nehmen lassen, ein komplettes Barbecue herzurichten mit allem, was dazu gehört.

Die von Elvira durchgeführte Preisverleihung brachte die eine oder andere Träne hervor, da die Freude und Erleichterung allen ins Gesicht geschrieben war. Es waren wirklich sehr, sehr schöne Tage in Wyoming !!!

Die Organisation und Vorbereitung der Prüfung durch Roger Green mit seinen Helfern hätte besser wirklich nicht sein können.

Dafür von dieser Stelle aus einmal ein großes Dankeschön !!!!!!!

Von den vier gemeldeten Hunden konnten alle die VGP bestehen.

Suchensieger wurde der DL-Rüde, der oben schon erwähnt wurde ( I./ 321 TF ), es folgte eine DD-Hündin ( I. / 317 TF ) und ein DD-Rüde ( II. / 336 ÜF ) sowie eine weitere DD-Hündin ( II. / 313 TF ).

Ausgebildet und geführt wurde der DL-Rüde übrigens vom 1. Vorsitzenden der Deutsch-Langhaar-Gruppe Nordamerika, Hermann Rohling, dem wir auf diesem Wege die besten Grüße übermitteln und alles Gute für die weitere Zukunft der DL-Gruppe Nordamerika wünschen. Spät am Abend verabschiedeten sich die Hundeführer in sehr herzlicher, emotionaler Weise von uns und traten ihre teilweise sehr weite Heimreise an.

Abschließend möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass sich die vorgestellten Hunde auf beiden Prüfungen in sehr gutem Ausbildungsstand befanden! Wenn man bedenkt, dass die bei uns normal erscheinenden Vorbereitungslehrgänge sowohl für die VJP / HZP, als auch für die VGP in Amerika nicht angeboten werden, ist es umso achtenswerter, wie die Hundeführer ihre Hunde für eine solche Prüfung vorbereiten. Vereinzelt werden Wochenendkurse angeboten, die dann aber für den Hundeführer bis zu 10 Stunden Fahrzeit bedeuten und  das würde bei uns wohl niemand auf sich nehmen. Die Entfernungen in diesem großen Land bergen allerhand Probleme.

 

Montag, 17.10.2011:

Die BTR und die VGP sind gelaufen und wir haben heute „frei“!

Von der Terrasse von Roger´s direkt am North Platte River gelegenen Wohnhaus kann man in ca. 30 Meilen Entfernung die Rocky Mountains sehen, die an diesem Morgen mit Schnee bedeckt waren. Also beschlossen Elvira und ich, unseren heutigen Tagesplan etwas zu ändern. Wir wollten mit unserem Jeep in die Berge fahren und Wyoming von da aus überblicken. Die Fahrt in die Berge gestaltete sich später doch schwieriger, als gedacht. Schnee lag zwar keiner mehr auf der „Straße“, dafür war der Boden aber vom Schmelzwasser sehr durchgeweicht. Schließlich konnten wir doch noch ein hoch gelegenes Plateau erreichen und hatten von dort einen wunderbaren Blick über die Weiten von Wyoming. Am Abend haben wir gemeinsam mit Bob Ballew, seiner sehr netten Ehefrau Kate, Roger und Marge in einem schönen Steakhouse das Erlebte Revue passieren lassen.

Mehr oder weniger der letzte Satz an diesem Abend war der, dass „das vergangene Wochenende in der Zukunft wiederholt wird“ ! Die Aussage  aller Beteiligten lautete:   JA , wir sind dabei!!

Nun war der erste Teil unserer Reise nach Amerika vorbei und es ging am darauf folgenden frühen Morgen weiter nach Shreveport, Louisiana, wo die 10. Armbruster-Zuchtprüfung auf uns wartete………!

 

 

Zuletzt geändert am: 24.1.2012 um 16:23

Zurück